Die Kursächsischen Münzprägungen von 1630 zur Jahrhundertfeier der Augsburger Konfession waren schon immer beliebte Sammlerobjekte. Die unter Kurfürst Johann Georg I. in der Münzstätte Dresden geprägten Gold- und Silbermünzen sind auch heute noch in großer Vielfalt vom kleinen Achteltaler bis zur großen und seltenen 12-Dukatenstück vorhanden.

Alle Jubiläumsmünzen von 1630 weisen auf der Vorderseite das Bildnis von Johann Georg I. im Kurornat mit rechts geschultertem Kurschwert auf. In der Umschrift finden wir den lateinischen Schriftzug:

CONFESS:LUTHER:AUG:EXHIBITÆ SECULUM

av 158

was so viel bedeutet wie: „Das erste Jahrhundert des zu Augsburg übergebenen Glaubensbekenntnisses.“ Neben dem Kopf des Kurfürsten steht sein abgekürzter und geteilter Name IOH: GEOR oder IOH: GEO und je nach Münztyp das Datum 1630 25 Juny in der In- oder Umschrift.

Im unteren Teil befindet sich ein fünffeldiges Schild mit den Wappen von Sachsen, Kleve, Jülich, Berg und aufgesetztem kurfürstlichen Herzschild (Erzmarschall).

Die Rückseite aller Münzen zeigt das Bildnis Johann des Beständigen, der 1530 mit zu den Unterzeichnern der Augsburger Konfession gehörte. Neben dem Kopf befindet sich sein geteilter Name IOAN NES oder auch IOA NES. Je nach Münztyp steht das Datum 1530 25 Juny in der In- oder Umschrift.

In der Umschrift der Rückseiten der Münzen ist zu lesen:

NOMEN DOMINI TURRIS FORTISSIMA.
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Im Originalspruch lautet der Spruch bei Salomon Kap. 18 Vers 10: „Turris fortissima nomen Domini ad ipsum currit iustus et exaltabitur“, „Der Name des Herrn ist eine feste Burg, der Gerechte läuft dorthin und wird beschirmt“.

zur Historie:

Zu Beginn des Jahres 1630 hatte Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen nicht nur die symbolträchtig begonnene Ausführung des kaiserlichen Restitutionsedikts von 1629 mit der Besetzung der (protestantischen) Kirchen in Augsburg vor Augen, sondern auch das anstehende Jubiläum des 1530 vor Kaiser Karl V. auf dem Reichstag in Augsburg übergebenen Glaubensbekenntnisses. Deshalb ließ Johann Georg im April 1630 einen theologischen Konvent in Leipzig abhalten, der beide Themen auf der Agenda hatte. Nach seinem Willen sollte ein großes dreitägiges Fest gefeiert werden, um dieses Glaubensbekenntnis zum Ausdruck zu bringen. Als Vorlage für das Fest und die dafür zu prägenden Münzen dienten die großen Reformationsfeierlichkeiten von 1617.

Literatur:

Die Beschreibung von unterschiedlichsten Merkmalen dieser Münzen zieht sich bis heute durch die einschlägige Literatur. Ausgehend von den Werken von Christian Juncker (1699), Christian Schlegel (1704), Wilhelm Ernst Tentzel (1705) oder den Gebrüdern Erbstein (1888) sind sie ebenso in modernen Werken wie „Die Sächsisch albertinischen Münzen 1611-1694“ von Wieland Clauss/ Helmut Kahnt (2006) aufgelistet.
Umso erstaunlicher ist es, dass ich 2019 einen auf den ersten Blick üblichen Taler in der Hand hielt, der aber mit seinen Merkmalen so nirgends beschrieben worden war. Auch der Verdacht einer Fälschung war nicht ausgeschlossen, bis mir der Direktor des Dresdner Münzkabinetts Herr Dr. Grund aus dem Bestand des Münzkabinetts einen Doppeltaler identischer Prägung vorlegte. Der Anlass zu einer umfassenden Recherche der Stempelvarianten war geboren.

Variantenkatalog:

Die in der Bibliothek des Münzkabinetts Dresden und im Internet verfügbaren Auktionskataloge sowie die in Beständen von Museen und Sammlungen vorkommenden Münzen wurden fotografiert und in einer eigenen Datenbank erfasst. Durch die große Datenbasis von über 1.200 eindeutig identifizierten Exemplaren aller Nominale konnten die Vorder- und Rückseitenstempel der vier benutzen Stempelgrößen klassifiziert werden. Die Ergebnisse der Recherche sind nun zu einem Variantenkatalog zusammengefasst und als Buch veröffentlicht. Damit wird dem Leser, Sammler oder Händler eine umfassende Aufstellung der Varianten an die Hand gegeben, die es ihm erlauben, vorliegende Münzen dieses Typs zu bestimmen und auch hinsichtlich ihrer Häufigkeit zu bewerten. Das Buch führt außerdem durch die Geschichte dieser Münzen, die in Dresden inmitten der Wirren des Dreißigjährigen Krieges geprägt wurden, es beschäftigt sich mit der möglichen Herkunft der abgebildeten Motive und geht auf die bisher vorgefundene Literatur ein.